GOETHEANUM

Von 1925 bis 1928 errichteten durchschnittlich 100 Menschen nach einem Entwurf von Rudolf Steiner das Goetheanum. Das 38 m hohe Bauwerk gehört zu den frühsten Zeugnissen organisch gestalteten Stahlbetons. Schiffsbauer halfen, die bis dahin unbekannte Technik des Verschalens zu entwickeln. Die organische Bauart zeigt, worum es der Anthroposophie geht: das Leben zu verstehen und es zu fördern. Aus kubischer Form wandelt sich der Bau westwärts in frei bewegten Ausdruck, als würde ein Inneres zur Erscheinung drängen. Zugleich bestimmen konkave Formen das Goetheanum, lassen die Umgebung einstrahlen, setzen dem Bau in Beziehung zum Umraum. Wer das Auge über Tektonik und Felsformen der Juralandschaft gleiten lässt, findet die Formen im Goetheanum wieder. Ausdruck und Eindruck – zwei Prinzipien des Lebendigen. 

 

Goethe, der Namenspatron des Bauwerks, vereinigte in seiner Dichtung, in seinen Natur-Studien zu Metamorphose und Farbenlehre, Kunst und Wissenschaft. Anthroposophie sucht in seiner Folge, diese Synthese des Wahren und Schönen, des Ewigen und Gegenwärtigen. Deshalb der Name. Am gleichen Ort und in gleicher Höhe stand zuvor ein von Rudolf Steiner geschaffener Doppelkuppelbau aus Holz. Dieses 1913 errichtete „Erste Goetheanum“ spiegelte in seiner konvexen raumgreifenden Formgebung die Pionierzeit, den Aufbruch der Anthroposophie. Es fiel durch Brandstiftung 1922 den Flammen zum Opfer. An seine Stelle trat das Goetheanum aus Beton, dem Stoff, der dem 20. Jahrhundert sein Gesicht gegeben hat. 

 

Das Goetheanum ist Sitz der Anthroposophischen Gesellschaft, ist Veranstaltungsort für Tagungen, Konferenzen und Aufführungen und Ort der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft und allgemeines Kulturgut.

Goetheanum − West Treppenhaus − Macarena Kralj_Goetheanum.jpg